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2014 Juli 15 Aufgegeben!

In der Ohnmacht, der Not, der Verzweiflung dieser frühen Gefühle.
Aufgegeben!
Ohne gedachtes, nur Gefühle, Schmerz!
Es erscheint nicht zu schaffen.
Kein Wissen wie es gehen kann, kein Halt.
Einsames Fallen durch die Unendlichkeit.
Aufgegeben auf einer unbekannten Ebene, lange bevor es Ego und Wille gibt.
Diese Gefühle in der Brust, sie sind geblieben.
Unerträgliche Kindheitstage - Lebensangst!
Aufgegeben und in den Wirren des Kollektiven verloren gegangen, verirrt!
Belogen und betrogen!
Unbewusste Manifestationen.
Aufgegeben und nun lernen, zu verstehen und zu vergeben.
Der Tod stand hinter mir.
Es war klug aufzugeben.
Ihm folgen zu dürfen, wäre eine Gnade gewesen.
Aufgegeben in einer Todessehnsucht, in einem Wunsch nach Erlösung, in Würde und Frieden.
Wie kann ein Kind das tragen?
Unbeschreibliches, ohne Worte.
Unausweichlich, die Gewalt!
Aufgegeben, resigniert!
Liebe wird Hass!
Auf sonderbare Weise gibt es einen Platz, eine Instanz, die darum weis.
Ihretwegen weitergelebt?
Ihretwegen, sich nur fühlend dem Unbekannten wieder nähern?
Wissen nutzt gar nichts.
Kinderwissen, Jugendwissen, Erwachsenenwissen, unnützer Mind- Egofuck!
Das Aufgegeben und Aufgegebene ist ohne Wissen.
Wer gibt da auf und was ist das was trotzdem trägt, traumgleich?
Das Bewusstsein um dieses Aufgegeben ist erschütternd!
Erschüttert meinen Körper bis ins Mark!
Aus dem Aufgegeben, das Verlorengehen und das Verirren.
Ein weitermachen und darin ein bewusstes Wachsen und Erkennen finden.
Wortloses Entspannen und Wahrnehmen.
Ein unbekannter Weg.
Nie zuvor gegangen.
Der Berg erscheint unerreichbar hoch.
Woher nur, nehme ich den Lebensmut!

Ich liebe dieses tapfere Kind aus meinem Traum. 

 

 
 

2014 Juni 16 Hochsensibel Schwerhörig

 

Als er geboren wurde, erschloss sich ihm eine Welt, die seinesgleichen sucht. Die Welt, sie wurde der blaue Planet genannt. In der Wahrnehmung dieses unglaublichen Geschenks, saß er als Kind vollkommen versunken und lauschte den Stimmen und dem Singen der Natur, ja des ganzen Universums, vollkommen Eins. 

Er war Hochsensibel! Er war eine Minderheit! Sie sagten – Er ist verrückt!
Er musste schreien lernen! In seiner ganzen Verzweiflung, schrie er. Er wurde nur verstanden, wenn er schrie und das machte ihn sehr wütend. Denn er liebte die Stille, das Feine. Wollte er dazu gehören, dann musste er schreien. Kehle und Ohren litten unter diesem, seinem eigenen Lärm.

Er war verzweifelt, verwirrt, einsam und voller Trauer. Über die kolossale Anstrengung vergingen viele Jahre und er wurde immer müder vom vielen Schreien, das ihm nach all der Zeit schon selbst zur Gewohnheit geworden war!

Als dann seine Stimme versagte und er bald den Nerv tötenden Lärm der Menschen wieder wahrnahm, ging er fort, in die Stille der Natur. Bald vernahm er leise Stimmen, einem Flüstern gleich! Er wunderte sich, was war das? Er glaubte verrückt zu sein, hatten sie dies doch immer zu ihm gesagt.

Doch er folgte dem Flüstern viele Tage lang und kam zu einem Fluss! Er sah ein Dorf und wollte schon ausweichen, aber auch von dort vernahm er wohlklingende Töne.
Plötzlich stand ein sehr, sehr alter weißhaariger Mann vor ihm. Wie war er so leise vor ihm aufgetaucht?

Der Mann sagte in einer klangvollen belustigenden Stimme, ah ein Sensibler! Kommst du von den Schwerhörigen? Er fragte, was meinst du damit, Sensibler? Das erste Mal in seinem Leben, nahm er den schönen Klang seiner natürlichen Stimme wahr und der Alte verstand ihn, ohne zu schreien. Kommst du von den Schwerhörigen, fragte der Alte noch einmal? Was sind Schwerhörige, fragte er? Der Alte setzte sich mit ihm an den Fluss und erzählte die Geschichte, von den Schwerhörigen.

Nun verstand er! Ein unermesslicher Schmerz tat sich in ihm auf. Es war nicht, dass sie schwerhörig waren. Es war nicht der Nerv tötende Lärm unter dem er jahrelang gelitten hatte! Nein! Nein!
Es war, dass sie ihm vorwarfen – Streng dich mal ein bisschen an und rede nicht dieses verwirrte, verrückte Zeug! Du sprichst so schnuddelig, keiner kann dich verstehen! 

 
 

 

 

 

 

 

2012-10-31 Die Kraniche ziehen

(Eine Geschichte beim Querschreiber)
 

Woher wissen sie es nur. In einem V ziehen die Kraniche über mich. Zuerst höre ich nur ihre Rufe und Schreie. Dann ein riesiges V am Wolken verhangenen Himmel.
Die Kraniche ziehen wieder. Es ist ein Neid in mir. Gerne würde ich mitziehen. Immer wieder um die gleiche Zeit bekommen sie ihren Impuls, zu ziehen und wie auf Kommando erhebt sich der ganze Pulk. Ohne fragen, warum jetzt? Wieso? Können wir nicht morgen Losziehen? Das ganze ewige lamentieren.

50.000 Vögel erheben sich wie auf ein Kommando. Unvorstellbar, eine Stadt mit 50.000 Einwohnern müsste nach Süden ziehen. Wahrscheinlich würde es Jahre dauern und hunderte von Petitionen geben, um ein solches Vorhaben zu starten. Außer, außer eine Katastrophe bräche aus, dann wären die Menschen wohl auch schnell, Feuer z.B. Feuer!

Gibt es bei den Zugvögeln ein inneres Feuer? Ein Alarmsignal, die Kälte, nahender Frost? 
In meiner Kälte sitze ich auf der Bank, keine Entscheidung findend für mich. Seit Jahren wollte ich eine neue Arbeitsstelle. Jetzt haben sie mich rausgeschmissen. Mein Feuer brennt! Oder qualmt es nur? Und was mache ich?
Sitze hier und sehe den Kranichen hinterher. Ohne Fragen, ohne Autoritätskonflikt. Als käme das Schreien aus einer Kehle. Alle brechen los. Ziehen einen weiten Kreis, formen ihr V und wissen genau in welche Richtung sie müssen, wo ihr Platz ist. Ein Platzgerangel gibt es nicht, Hauptsache ein unterstützendes V. Sie wissen es. Dieses Wissen!

Wie gerne ich wüsste, in welche Richtung ich muss. Wann ich los zu ziehen habe und das dann auch mit aller Entschlossenheit verfolge. Kein, ach ist das anstrengend! Wie lange ist es noch? Ich habe Hunger! Können wir nicht eine kleine Pause machen?
Nein, sie fliegen und landen und fliegen, in stiller Harmonie. Auf einander angewiesen, sie wissen, was eins sein bedeutet, auf Leben und Tod.

Dass ich meinen Job verlieren würde war absehbar. Kein Startsignal! Was brauche ich noch? Nichts ruft mich! Einfach nur Lethargie, stumpf, sinnlos. Was ist ihr Rufen und warum kann ich meines nicht hören?
Das V löst sich in der Weite langsam auf. Es erscheint mir, als würde sich auch etwas in mir auflösen. Sie sind schon lange da, die grauen Wolken. Betrüben meine Tage. Herbstschwere. 
Ich lausche nach einem Rufen! Ein Teil von mir zieht mit den Vögeln und eine tiefe Wehmut ergreif mich. Wehmut, dieses Reißen im Herzen. 

Einsamkeit, scheint nur ein menschliches Phänomen zu sein.

Es ist ungemütlich auf meiner Bank. Die Luft ist schon kalt und feucht. Der Herbst kriecht mir in die Knochen. Alleine erhebe ich mich, dass ich das noch kann. Diese unerträgliche Klotzschwere in allen Knochen.
Ob die Kraniche das auch fühlen und dann wissen sie, dass sie nach Hause müssen, bevor sie kleben bleiben?
Ich schlendere über den Deich, am rechten Seeufer. Ein flinkes Wiesel hat sein Maul voller Büschel für das Winterquartier. Wieselflink, schneller als mein Auge. Naturergeben! 
Von Klotzschwere, keine Spur. 

Das Gras unter meinen Füßen ist schon feucht geworden. Eines habe ich gemeinsam mit den Vögeln, ich laufe, sie fliegen. Wenn ich gedankenlos bin, geht das wie von alleine. Sie fliegen mit der Sonne, ins Warme. Werde ich es herausfinden, was meine Sonne ist? Meine Richtung?
Es ist wie gottgegeben. Nur fühlen! In diesem großen Lebenszug sind wir alle zuhause. Die einen wissend, andere unwissend. Im V-Körper fliegen sie vereint und doch alleine. Lebensbejahend! Träger des Lebens.
Jungvögel folgen den Alten. Hat denn nur der Mensch diese Destruktivität? Lebensraum zerstörend?
Diese leise Sehnsucht ist Antwort. Dem V folgen können, wie würde ein Menschen-V aussehen.

Ich schließe die Haustüre hinter mir. Im Offen knackt noch die Glut. Es ist warm im Raum, das können wir Menschen. Und doch ziehe ich mit, in meinem Kranichsein, in meinen V-Träumen.

Ich muss eingenickt sein. Das kratzende Geräusch des Türschlüssels im Schloss, hat mich aufgeschreckt. Marta kommt nach Hause.
Es ist dunkel im Raum. Ich hatte nur eine Kerze angezündet. Das gelbe Licht fällt auf ihr Gesicht. Sie ist wunderschön! So schön, dass heute mein Herz zittert. Kranichzittern!
Wenn sie aufstiege und riefe, würde ich ohne wenn und aber mit ihr ziehen, oder sie mit mir?
Ich stehe auf und gehe auf sie zu. Sehnsucht im Herzen und Tränen in den Augen. Marta sieht mich verwundert an. Schön dieses Mensch sein. Kraniche können nicht küssen. Du Wunder-volles Martaleben. Wir müssten zu dritt sein um ein kleines V zu bilden. Ein Lächeln erfüllt mein Herz. Ein Ruf aus weiter Ferne.

Der Kuss fällt in die Unendlichkeit und wir lassen uns mit ihm fallen. Marta mit ungläubigen Augen. Wann habe ich das, das letzte Mal getan. Marta so begehrt. Noch nie hatte unser Liebesspiel eine solche Intensität.
Es war mir, las könnte ich aus der Unendlichkeit ein Echo wahrnehmen. Es sucht einen Platz. Das Rufen, es will zu uns.
Um Martas Körper ist ein leuchten, dass auch mich umfasst. Marta ist unsicher, sie weiß um ihre Weiblichkeit und ihre Fruchtbarkeit und ich fühle es auch. 
In unserer gemeinsamen Explosion entsteht der Raum. Lebensraum! Das Rufen fließt uns entgegen, angenommen, es ist angekommen.

Sich aufbäumende Wellen der Freude, Demut und Dankbarkeit zerfetzen meine Klotzschwere. Marta weiß, dass ich es weiß. Wie ein Kranichschrei, bricht es aus ihr heraus und wir erheben uns und fliegen. Lebensflug, Kranichträume an deiner Seite!

Mir ist überhaupt mit bewusst, was dann geschehen ist. Es war alles tot in mir. Vergessen - bitte vergessen können - wie einen unliebsamen Traum.
Unbeteiligt sah ich zu, wie der Sarg in die Grube abgesenkt wurde. Nur an den Schwindel in meinem Kopf erinnere ich mich noch. Wie ein Strudel zog es mich hinab. Und an diese Taubheit.
Was hätte ich dafür gegeben, wenn ich dort unten hätte liegen können. Der Tod kann eine unendliche Gnade sein.

Die neue Arbeit hatte mich aufgehalten. Ich wollte nachkommen. Es lief gut an der Arbeit. Ich hatte Freude, fühlte mich gut, weil es für unser kleines V wie ein Aufwind war.
Martas sehen tat mir gut. Sie sah mich anders, dieses gesehen werden war eine Quelle der Kraft. Hunderte von Kilometern, kann man mit dieser Kraft davonziehen, Seite an Seite. Einfach nur dieses Gefühl.
Und ich sah sie neu. Ihre Kraft und Ausdauer bei der Geburt. 
Mein Gott Marta, wie habe ich geweint. Freudentränen!

Marta und Jasmin sind schon vorgefahren. Jasmin war sechs Jahre alt.
Der LKW viel zu schnell. Er krachte in Martas Wagen hinein.

Der Kranich wurde verfetzt. 

Man sagte mir, dass nichts mehr zu erkennen war, Marta, Jasmin. Sie waren wieder Eins.

Nur für die Formalität hat es zwei Särge gegeben, zwei Nöte, ein Schwindel, ein Schmerz.
Bei Jasmin hielt mich Klaus. Etwas war gebrochen, so als würden Beine brechen.
Die Größe von Sinnlos erschien mir unermesslich. Es muss der Tod sein, der die Beine bricht. Die Größe des Schmerzes wird von Sinnlos abgewehrt. Gott warum lebe ich noch? 
Oder ist es die Last dessen, was untragbar erscheint, was dann die Beine brechen lässt. Brechschmerz nahe am Wahnsinn. 
Tot, totes Leben. 
Das Leben lebt sich selbst, von der ersten Sekunde an. In der Explosion des Raumes, der Teilung der Zelle, übernimmt das Leben. Es brauch mich nicht. Ich müsste es schon gewaltvoll beenden.
Mein Kopf war voll von diesen Gedanken. Und nur diese Gedanken, bestimmen mein Leben. Anfang und Ende in des Lebens Hand.

Dreißig Jahre sind vergangen. Dieses tote Gefühl scheint keine Zeit zu kennen. Zeit heilt auch nicht alle Wunden. Zeit läst sie vergessen.
In der Stille, wenn ich sie, die Stille denn finden kann, ist das Gefühl sofort wieder da. Frisch fast kraftvoll, als würde es auf mich warten, bis ich es ganz genommen habe. Unter allem möglichen Egomüll und dieser Taubheit, liegt es klotzschwer begraben.

Niemand ist zurück geblieben, von all denen die sagten, sie würden mit mir fühlen. Es ist ihnen zu anstrengend geworden, hatten sie doch alle selber genug zu tragen. 
Mit ihren Krücken humpeln sie tapfer weiter, rennen sogar. Haben sich ein Krückendaseinsrennen angewöhnt, in dem sie sich alle gegenseitig bestätigen und sich erzählen wie schön es sei. 
Wie sie nur all die teueren und tollen Sachen in ihrem Krückendasein tragen können? 
Die Last des Tragens ist perfekt. Keine Rede von Krücken. Von Gefühlen. Immer nur Last.

Mit meinem Versuch, es ihnen gleich zu tun bin ich jäh gescheitert, abgestürzt. Der Schwindel hat sich seinen Platz genommen. Von einer Sekunde auf die andere war an stillsitzen nicht mehr zu denken. 
Der Konferenzraum drehte sich wie ein Kreisel. Eine unglaubliche Angst zu stürzen packte mich. 
Aufstehen, sofort auf die Krücken und aufstehen - Kontrolle - das half. Gehen, immer hin und hergehen, nicht still sitzen.

Die Selbstzerstörung des Krückendaseins erkannte ich erst Jahre später. Das selbst gezimmerte Joch, zum Ochsen verurteilt. Verurteilter und Richter in einer Person.
Das Urteil, lebenslänglich, einsitzend im Wut- und Trotzkerker. Der Schwindel in meinem Kopf hat es mir zunichte gemacht. Das Leben hat einen Plan - Aufwachschwindel -

Marta, Jasmin! Es müsste anders sein dürfen, so anders, wie ich es mir nicht vorstellen kann. 
Die Wucht dieses Satzes, hat seine Spuren hinterlassen, erdrutschartig. 
„So anders, wie ich es mir nicht vorstellen kann!“ 
Wie geht das?
Wie kann ich über meine Vorstellungen hinausgehen. Die Bereitschaft entwickeln, sich zu öffnen, für etwas Unbekanntes. In diesem Menschsein ist meine Vorstellung von Marta und Jasmin, das einzige was mir bleibt. 
Und auch das ist nicht wahr, vergessen, löschen, tot wäre lange Zeit Lösung gewesen. Leben, wie sehr habe ich dich verflucht. Du lebst und fließt einfach weiter in der Zeit. Die Kraniche folgen dem Leben, ohne wenn und aber.
Mit Marta und Jasmin bin ich dem Leben gefolgt. Da sind der Trotz und die Wut, dass es anders ausging als meine Vorstellung es erlaubte.

Dieses Gefühl hat einen frühen Ursprung. Der Tod meines Großvaters sechs Jahre war ich. Gott, wie kannst du nur so grausam sein?
Der Tod der Zwillingsschwester, vor jeglicher gedanklichen Vorstellung.
Der Verlust der Liebe, der geliebten Schwester, der Seelengefährtin. Der Tod, schon im Mutterleib, in jede Zelle geschrieben, klotzschwer und grau, Kranichwetter.
Tosende Stürme einer versuchten Abtreibung. Die Schwester gibt verzweifelt auf, verstrickt sich in mich. Wir können uns nicht trennen.

Mich spült das Leben trotzig in Steißlage auf die Welt. Fünfzig Jahre in dieser Verwirrung, ohne Gefühl für sich selbst.
Die zarte Jasmin, hatte es wieder angerührt. Die Erinnerung an die verloren geglaubte Liebe. Sie berührte wieder das unvorstellbare. Zog mich in das Leben. Riss mich weg, von der Klotzschwere.
Besteht das ganze Leben nur darin, mit welcher Würde und Ergebenheit ich das trage, das Untragbare, das Unausweichliche?

Wenn der Tod jetzt käme
mir das Kostbarste
mir die Liebe nähme

Nie mehr dein Lächeln sehen
Nie mehr an deiner Seite gehen
Nie mehr deinen Körper spüren
Nie mehr deine Haut berühren

Nie mehr der zarten Lippen Hauch
Nie mehr das Feuer in meinem Bauch
Nie mehr den heiligen Raum betreten
Nie mehr deinen Duft riechen, ich gäbe mein Leben

Mein Herz zittert, Kranichzittern. 
Die Frage quält mich immer wieder, gehen oder leben, was ist schwerer. Wahrscheinlich eine unsinnige Frage. 
In jedem Fall kann ich Martas Duft nicht mehr riechen. Möglicherweise ist es schwerer in der menschlichen Form. Die Intensität Marta zu riechen, zu schmecken und zu fühlen, all ihre Gerüche, ließen meine Sinne bersten.
Am Morgen aufzuwachen und diesen Geruch wahrzunehmen. Es gab keinen schlechten Geruch. Dieser Moment am Morgen, ihre Schlafwärme, himmlisch. 
Alles zerstört. Der Kranichruf gebrochen, nie mehr ihr Schrei. 
Dieses nie mehr, diese Absolutität, unverrückbar. Auch das ist nahe am Wahnsinn.
Es ist wie ein Sprung von einer Klippe, nicht wissend wie und auf was man aufschlägt. Krank bin ich davon geworden.
Nächtelang habe ich gekotzt, so lange, bis ich das Beten angefangen habe und dann eine Stimme vernahm, die zu mir sagte: „Nicht Dein Wille geschieht!“
Mein Körper hat sich aufgebäumt, ähnlich eines Drogensüchtigen auf dem trockenen Entzug. 
Zerbrechen - daran ist der Süchtige zusammengebrochen. Wie nach einer langen Krankheit, habe ich tagelang geschlafen.
Eines wurde deutlich, ich bestimme nicht, aus welchen Kelchen ich trinken muss und keiner zieht vorüber. 
Die Angst, Todesangst und ein Autoritätskonflikt von unbeschreiblichem Ausmaß.

Der Tod lehrt mich das Leben. Jämmerlich und unfassbar dieses vergiftete Krückendasein.

Leben. Göttliches Leben!


Vielleicht ist alles auch ganz, ganz anders!

 

 




 

 

 

2012-08-09 Brief an einen Freund

Lieber Freund,

vor ein paar Jahren habe ich auf der Insel Boipeba Brasilien, Thomaz kennen gelernt. Er war ein unglaublich lustiger Kerl. Er ist Baumzüchter, was ich für einen Witz hielt. Nein tatsächlich, er hatte von seinem Vater eine Baumplantage geerbt. Wie geht das, fragte ich ihn.
Der warme Wind wehte uns um die Nase. Der Caipirinha schmeckte phantastisch und die untergehende Sonne über der Bucht versetzte uns in eine melankolische Stimmung und Thomaz fing an zu erzählen.

Sein Vater hatte in Brasilien begonnen schnell wachsende Bäume zu pflanzen. Er hatte australische Eukalyptusbäume importiert.  Nach ca. 15 - 20 Jahren, so erzählte Thomaz, kann man sie fällen. Sein Vater erlebte es nicht, weil er vorher verstarb.
Leise erzählte Thomaz weiter, dass der Baumstupf neu treibt. Das haben wir alle schon im Wald gesehen. Es entstehen wüste Büschel, als würde alle Kraft des Baumes explodieren. Der Stumpf und die Wurzeln, die einmal einen ganzen Baum versorgten, haben ja noch immer die gleiche Kraft. Die Natur, das Leben treibt auf Teufel komm raus, so erscheint es, vor allem in einem warmen und feuchten Klima Brasiliens.
Thomaz erklärte, nun musst du die Triebe, bis auf zwei oder drei kräftige zurückschneiden. Das musst du immer wieder tun. Es ist eine mühevolle Arbeit, zudem die Ameisen diese frischen Triebe lieben und gerne abfressen. Sie sind der Hauptfeind des Baumes. Dann ist der Baum tot. Sonderbarer Weise, kommen dann keine neuen Triebe mehr. Das immer wiederkehrende abfressen lässt den Baum sterben.
So ist es die größte Aufgabe der Pfleger, die frischen Triebe vor den Ameisen zu Schützen, bis ein Trieb so stark ist, dass die Plagegeister ihm nichts mehr anhaben können, dann werden auch die anderen Triebe entfernt und ein neuer kleiner Stamm entsteht und bald erhebt sich ein Baum, in ein paar Jahren. Nach 15 Jahren ca. kann man den Baum wieder ernten und es geht von neuem los. Es sei auch so, dass sich der neue Trieb vollkommen mit dem alten Stumpf verbinde. Es ist nicht mehr zu sehen, dass es ein gefällter Baum war. Stumpf und Trieb werden eins.

Lieber Freund ist das nicht unglaublich. Es erscheint mir wie das Sinnbild vieler Kinder dieser Welt. Kennst Du das Gefühl Deiner ursprünglichen und unfassbaren Größe? Das Gefühl des Baumes, der Dir bestimmt war zu sein?
Das Gefühl des Kindes, das gefällt wurden ist und als Büschelkind sein Dasein verbringen muss, weil es keine Pflege kennt, um sich wieder aufrichten zu können?
Kennst Du all die Ameisen und kannst Du die Vielen sehen, die auf dieser Welt verrotten, aus Besitzgier und Selbsthass?
Wie nur kann es sein, dass das Kostbarste dieser Erde, wie Bäume gefällt wird, achtlos. Kennst Du das Gefühl, eines Konzertpianisten, eines Seelenmusikers, dem die Hände zertrümmert werden? Kennst Du diese Verzweiflung? Kennst Du diese Last, als Büschelkind zu leben?

Warum nur? Warum nur, vernichten wir die Potenziale unsere Zukunft, der Kinder? Warum ermorden wir sie, durch täglichen Missbrauch und Gewalt, blind und unbewusst wie Ameisen. Lieber Freund, weißt Du was es heißt missbraucht zu werden und das Gefühl zu haben, dass es jeder in der Straße weiß und niemand tut etwas? Kennst Du diesen Eckel, diese Selbstverleugnung? Lieber Freund, kennst Du das? Warum hast Du nicht geholfen? Warum siehst Du noch immer weg?
Kennst Du das, dass das was sich einmal ausdrücken wollte sich ganz langsam zurückzieht und in Wut und Hass umschlägt? Eine blinde, unbestimmte Wut, die durch Gewalt gebrochen wird. Weißt Du, was Resignation ist?
Weil Du dem Sturm der Dummheit dieser Menschen nicht mehr gewachsen bist? Kennst Du das? Erinnerst Du dich noch an das Schweigen, was daraus entsteht, nahe am Autismus.
Sieh Dir die Kinder an. Schulsysteme, Umweltverschmutzung, Schulden, die Lüge der Religionen. Sieh Dir die Büschelkinder an, in ihrer Lethargie, im Komasaufen, Konsumrausch. Die Armut der Kinder der dritten Welt, die Mann verrecken lässt. Die ermordet werden von Profitgier.
Kennst Du diese internalisierte, toxische Scham, zu glauben, ein halbverrottetes Büschelkind zu sein? Kennst Du diese Ohnmacht und den eigenen Verrat?
Ich erinnere mich noch gut daran!
Da die Empörung und die Verzweiflung, die die Kinderseele erschüttern lässt, bis in die Knochen geht, in jede Zelle. Das diese Wut und diese Erschütterung sich wie Explosionen im Körper ausbreiten, ein kosmisches Brennen, das kein Ventil findet und so im Körper bleibt, als ein lebenslanges Zittern, erzittern vor dem unfassbaren Entsetzen. Der Verzweiflung, des ausgeliefert seins. Kennst Du das?

Kennst Du das, dass Du dann irgendwann ein Streiter, Kämpfer für dieses System wirst? Diese Schizophrenie, das zu schützen, was dich gefällt hat. Kennst Du diesen Schmerz und die Trauer, dieses Verrates an dir selbst? Bist Du in Deiner Selbsterkenntnis so weit gegangen, mein lieber Freund?
Kennst Du den Schmerz, von dem was nicht möglich war, nicht gelebt werden konnte? Niemals, den Klang deiner Musik zu hören, Deiner Hände auf dem Klavier.

Und doch lebst du weiter, so, als würde dich einfach etwas tragen, ohne zu fragen. Und eines Tages öffnest du die Augen und du liegst im Schatten eines riesigen Baumes, mystisch anmutender Herkunft. So, als hätte doch jemand, auf wundersame Weise den Baum beschnitten, gehegt und gepflegt. Du siehst es dir an wie ein ungläubiger Thomas und fragst dich, das soll ich sein?
Ganz, ganz langsam dringt wieder etwas in dich ein, ein Bewusstsein deiner wahren Natur, dass die Größe des Baumes auch baumgroßgleicher Schmerz ist. Nicht von dieser Welt ohne Worte und wieder möchtest du am liebsten Schweigen, bis du einen Ausdruck gefunden hast, der den Explosionen endlich einen Raum gibt.

Da hinein leben, das ist alles was dir bleibt. Im Gras, unter meinem Baum liegen und mich an der Liebe des Lebens erfreuen, dass mich hierher getragen hat. Und zu wissen, zu hoffen und zu vertrauen, dass niemand Seelen fällen kann.

Lieber Freund, ich habe keine Ahnung ob meine Worte Dich erreichen. Worte um das zu beschreiben, was viel zu groß ist, um in Worte hinein zu passen. Und doch drängen mich die Worte, so als wollte ich sie ausspucken, in die Welt hinausschreien. Wacht endlich auf!

Ihr Mütter warum erlaubt ihr das was täglich passiert. Warum seht ihr zu wie Bäume gefällt werden, wie euere Kinder verzweifeln und sterben. Wann endlich erkennt die Welt den Schrei von Meissen, Brannenburg, Freising, Erfurt, Waiblingen, Coburg, Emsdetten und Winnenden?
Wo ist die Liebe geblieben?
Warum drückt sich hier der Schmerz in dieser brutalen Form aus?
Die Schulen, die jegliche letzte Kreativität in Normen zwängen will, sofern sie das Elternhaus überlebt hat. Die Störenfriede, die medikamentös still gestellt werden müssen, weil diese Kinder keinen Raum finden für ihr besonderes Wesen. Die still sitzen sollen, wenn der ganze Körper vor Anspannung brennt, jede Faser schmerzt, bist dann das lähmende Gift der Resignation sich in dir ausgebreitet hat. Dann wunderst du dich wie du hierher gekommen bist, denn dieses Gift kennst du aus deinen frühesten Kindertagen. Diese unerträgliche Enge, diese geistige Beschränktheit ganzer Systeme. 
Die Wahrheit, sie steht wohl zwischen den Worten, zwischen den Zeilen. Mein lieber Freund, kannst du sie erkennen, diese unglaublich schwer zu nehmende Wahrheit?
Es ist wohl ähnlich, wie nur der, der Tim versteht kann, mit Tim in seiner verzweifelten Verrücktheit weinen kann. Nur der, der mit Tim fühlen kann, nur ihm wird sich die Bedeutung offenbaren, die Bedeutung dieser schwer zu tragenden Wahrheit und er müsste erkennen, welche Last die Kinder dieser Welt in ihrer Liebe tragen und auch hier bleibt dir in dieser Ohnmacht nichts anderes, als zu hoffen und zu vertrauen und zu beten, dass niemand Seelen fällen kann.

Dein Wanderer Boneventura

 

 





 

 

2012-07-09 Du hast mir glauben gemacht

Du hast mir glauben gemacht, dass ich das Schrecklichste, Mörderischste, Gefährlichste, Unglaubwürdigste, Verlogenste, Hinterhältigste, Wertloseste, Nutzloseste bin auf dieser Welt. Und ich habe Dir geglaubt. Ich habe Dir vertraut.

Du hast mir glauben gemacht, dass es das Richtigste und Ehrlichste sei, mich zu vernichten. Für immer und ewig. Du bist eine Schande, hast du gesagt.
Du Mensch, hast dich vor mir gefürchtet und tust es immer noch. Die Furcht ist unbeschreiblich. Mein Körper erzittert, vor Deiner Wut und Deinem Hass auf mich und Deiner Ablehnung.

Und nun erwächst etwas in mir. All das will ich sein - für Dich:
das Schrecklichste, Mörderischste, Gefährlichste, Unglaubwürdigste, Verlogenste, Hinterhältigste, Wertloseste, Nutzloseste und das Richtigste und Ehrlichste und Wahrhaftigste. Diese Schande will ich sein, für Dich.

Wenn Du mich ansiehst, dann sollst Du erzittern, denn Du siehst Dich in mir. Dieses alles, das Schreckliche, Mörderische, Gefährliche, Unglaubwürdige, Verlogene, Hinterhältige, Wertlose, Nutzlose und das Richtige und Ehrliche und Wahrhaftige. Diese Schande. Du bist ich.

Wenn Du das erkennst, dann findest Du die Liebe auch in Dir. Du bist Liebe!
Dann wird das göttliche Licht in uns erstrahlen.
Du Mensch, ob Du den Mut haben wirst, Dich zu erkennen?
Mein Herz hofft darauf! Der Narr in mir, der niemals aufgibt.
 

 

 





 

 

2012-06-15 Nun habe ich eineinhalb Stunden Zeit

Nun habe ich eineinhalb Stunden Zeit. Eineinhalb Stunden, in denen sich meine Welt in eine neue Position rückt. Mir eine Wahrheit offenbart, die ich so nicht kannte. Mich schüttelt und doch unabänderlich Wahrheit sein wird oder Wahrheit ist. Es hängt davon ab. Egal wie es ausgeht, diese Wahrheit, die sich mir in dieser Zeit offenbart, macht sie so kostbar, trotz des Schrecken, oder gerade deswegen, oder ist es Gnade?

Der Marktplatz und die vielen Menschen, er ist von mir abgerückt. Wie in einem Traum, eine andere Welt, andere Wahrheiten. Ich laufe in einer Eigenwahrheitsblase. Plötzlich habe ich Hunger. Es regnet!
All diese Menschenwahrheiten, sie laufen an mir vorbei. Eine Cola, einen Latte Macchiato mit einem doppelten Espresso.
So fühlt es sich an, wenn der Tod vor dir steht. Da steht die Freude - so wenig - so viel.
Cola, Latte, ein deftiges Essen. Was brauch es mehr. Ein Geschenk, ein Geschenk in der Zeit. Genießen, diesen kleinen Moment, diese Freude. Was soll das dann noch! Ungesund?
Wer erzählt so einen Blödsinn. Alle Moral, alles Unechte fällt an diesem Tor ab. Es gibt gar keine Frage. Nur still muss es sein, einfach, ganz einfach. Dieser Wunsch, dieses Gefühl ist urgrundtief. Ganz Einfach soll es sein.

Kässpatzen mit Zwiebeln, das ist gut und ein großes Spezi! Der Platz ist ganz schön. Kissen zum hineinlümmeln.
Ich lege den Kopf an die Rückenlehne und sehe über den nassen Marktplatz. Alle haben es eilig. Es regnet! Unter der dicken Markise kann ich gut draußen sitzen. Jetzt drinnen eingesperrt, das ginge gar nicht. Auch eine Wahrheit!

Er hat es sehr dringlich gemacht, der Herr im Weiß. Entsetzt hat er mich angesehen, so als wäre ich eine Zumutung, denn er muss mir nun die Diagnose übermitteln. Warum werden Menschen Ärzte, wenn sie so viel Angst vor ihrer Diagnose haben? 
Der Kellner bringt mir die eiskalte Spezi. Ein herrlicher Schluck.
Wenn das nun Wahrheit würde, was er gesagt hat und in einen Zusammenhang gebracht hat, den ich so noch nie sah. Wenn der Knoten an meinem Rücken eine Metastase wäre, was würde ich da machen?

Es gibt gar keine Frage. Es ist vollkommen klar, ich würde nichts machen. Diese Wahrheit erschüttert mich.
Es wird ganz ruhig in mir, unglaublich ruhig. Die Müdigkeit und die Erschöpfung, die ich schon lange fühle, überwältigt mich. Ich wünschte mir nur eines, in Ruhe und Würde sterben zu dürfen. In Würde sterben zu dürfen.
Ich wische mir die Tränen fort, ich will nicht, dass es jemand sieht. Die Wucht dieser Wahrheit bleibt, egal wie es weitergehen wird. Dieses Leben hat alles von mir gefordert und ich habe alles gegeben, was ich konnte.
Es kommt mir vor wie ein großer Felsbrocken, der auf seinem Lebensweg zum Flussdelta nur noch ein kleines Körnchen seiner Selbst ist. Das Körnchen freut sich auf den Ozean.
Wie würdelos mir doch dieses Leben erscheint. Was haben wir nur aus unseren Leben gemacht. Göttliche Wesen, die eine menschliche Erfahrung machen. Das Tierische, Unbeherrschte, gezwängt in eine verlogene Moral.

Das wusste ich noch nicht. Das ist vollkommen neu!
Nein, ich würde nichts tun. Keine OP, keine Chemo, ich möchte nur noch eines mit Anstand und Würde sterben dürfen. Es war so schon viel zu viel. Egal, was das heißen sollte, oder von mir verlangt, es geht nur noch um meine Würde.
Und, wenn es gut geht, wovon ich ausgehe, dass der Knoten keine Metastase ist, sondern ein Lipom, auch dann bin ich aufgerufen, mit dieser neuen Wahrheit zu leben. Diese Würde, die ich mir nur selber geben kann, würdig zu sein für dieses Leben, für den Fluss, das Schicksal, auch wenn nichts von mir übrig bleibt, außer meiner Würde, die wenn ich sie lebe, wenn ich sie verstehe, unantastbar ist.

Der Tod ist ein Geschenk. Auf meinem Grabstein soll stehen, „Gestorben ins Glück“!
Vielleicht werde ich ja noch lange leben. Leben in Frieden, mit kleinen Freuden und mit Leichtigkeit, denn die Würde ist immer leicht, so wie die Wahrheit.
Für das kleine Steinchen ist es sinnlos, sich gegen den Druck der Wassermassen zu wehren. Wie viel Unsinn, ist uns Menschen eingefallen um diesem Schicksal auszuweichen, dem was unausweichlich ist - Tod du bist wirklich ein Geschenk - Von dir lerne ich das Leben.
Jeden Moment kannst du mich holen. Der Moment und das Bewusstsein machen dich unendlich kostbar.
Der Gesang der Amsel auf dem Dach. Es kommt mir vor als würde sie nur für mich singen. Ihr Gesang berührt mich tief, denn wenn nur ich sie hier höre, dann singt sie wirklich nur für mich. Diese Welt ist unglaublich schön. Die Gefahr ist groß, dass wir das Leben auf ihr zerstören. Die Welt wird weiterexistieren. Hier herrschen höhere Gesetze. Und auch, dass die Welt noch so schön ist, ich bin bereit zu gehen. Ich bin des Lebens-müde. Unglaublich müde. Das Herz ist todmüde!
Es war mir immer verwunderlich, mein Leben. Diese vollkommene Leere in mir.
Oft schon fühlte ich, dass der Tod eine Gnade wäre, besonders in diesen jungen Jahren. Das Wesen, wäre gerne aus dem Fluss ausgestiegen, aber was er einmal hat, das reißt er mit. Diese Unausweichlichkeit, hatte immer etwas Gnadenloses für mich.
Es war dieser Verlust der Würde. Für das Wesen, das wir sind, ist Menschsein unter normalen Umständen, ein wirklich würdeloser Zustand. Gewalt, Missbrauch, Neid, Gier, der totale Verlust jeglicher Anbindung an das Existenzielle.
So lange ich denken kann erinnere ich mich an diese Taubheit, bis in jede Zelle. Ich habe mich selber aufgegeben, habe mich angepasst und damit all meine Würde verloren.

Der Kellner fragt mich, ob es geschmeckt hat. Für ihn ist es eine gewohnheitsmäßige Phrase! Für mich ist es in diesem Moment das Leben. Wie viele Kässpatzen werde ich noch essen dürfen? Er bringt mir den Latte. Wow, wie gut er schmeckt.

Eine halbe Stunde habe ich noch. Dann hoffe ich, dass die Sonographie Klarheit bringen wird. Die Ruhe in mir fühlt sich gut an.
Eigentlich, wollte ich es erst nächste Woche machen lassen. Die Reaktion des Arztes, der eine sofortige weiter Untersuchung dringlich machte und die Mittagspause, bei der Sonographie, haben mir diese eineinhalb Stunden geschenkt.
Die Stelle an meinem Bein, dieser Hautkrebs, ist er im Inneren gewandert?
Irgendwie bin ich sehr dankbar. Dankbar, über das Bewusstsein meiner Suche. Der Wunsch in Würde leben und sterben zu können. Das, was ich in frühen Tagen meiner Kindheit verloren habe. Dieser unausweichliche Verlust meiner Zwillingsschwester, schon im Mutterleib.

Es lebt ein Entsetzen in mir, ob der Würdelosigkeit dieser Welt. Dieser würdelosen Selbstzerstörung von Leben, von göttlichem Leben. Ich bin entsetzt, was aus mir geworden ist. Rücksichtslose Selbstzerstörung. Die Stelle an meinem Oberschenkel habe ich sicher schon seit mehr als 20 Jahren. Wenn es eine Metastase ist, dann ist es meine Verantwortung, auch wenn ich all die Jahre, immer wieder mal bei einem Arzt war und jeder mir eine andere Geschichte erzählt hatte. Es fehlte an der Ernsthaftigkeit meinem Leben gegenüber. Es ist und bleibt mein Körper und meine Verantwortung für alles, denken und handeln, das ist Teil meiner Würde und meiner Freiheit, meiner Freiheit zu leben, so wie es mir in dem Fluss möglich ist.

Die Diagnose: Es ist ein Lipom.

Es will keine Freude in mir aufkommen, ändert es doch nichts an dieser neuen Wahrheit.
Wenn es nicht ich wäre, wenn es ein Freund von mir wäre. Ein Freund, den ich in den frühen Tagen meiner Kindheit verloren habe. Der sich in seiner Not von mir getrennt hat.
Lange wollte ich, dass er mit mir geht, aber ich habe ihn verloren und habe ihn im Stich gelassen.

Ich treffe ihn wieder. Er erzählt mir seine Geschichte. Ich dachte ich kenne ihn, aber in Wirklichkeit ist er mir ein Fremder. Was könnte ich tun?

Wie könnte ich mich ihm nähern? Kann ich noch einmal sein Vertrauen gewinnen? Mit ihm gehen und auf ihn hören, ja das könnte ein Neuanfang sein. Zuhören und seine Sprache verstehen, verstehen, was seine Bedürfnisse sind.

Er braucht etwas ganz anderes, als dieses ICH will!

 

 

 




 

 

2011-01-21 Der Baum

Er war damals ein kleiner Junge. Vielleicht eineinhalb Jahre alt. Er musste alles mit ansehen.
Er sah, wie ein junger, unglaublich schöner Mann, sich nackt auf den großen Marktplatz der Stadt stellte, mit einem Schild um den Hals,
„Ich bin Liebe!“
Zuerst lachten die Menschen nur über ihn, aber bald kamen einige und bewarfen ihn mit Dreck und Steinen. Die Menschen verspotteten ihn. Die Worte waren schlimmer als der Dreck und die Steine, denn sie gingen tief ins Herz des kleinen Jungen. Er schrie verzweifelt, „nein, seht ihr denn nicht, er sagt die Wahrheit.“
Er trat den Erwachsenen auf die Füße und schrie, „seht hin, er ist die Liebe!“ Er weinte bitterlich und war empört über die Dummheit der Menschen. Der kleine Junge kämpfte, als ging es um sein Leben. Auch er wurde nur belächelt. Von einigen bekam er auch eine saftige Ohrfeige, die ihn zu Boden schmetterte.
Bald kamen seine Eltern rissen ihn zur Seite, schlugen ihn und sagten, dieser junge Mann sei ein Idiot. Der kleine Junge solle aufhören sich so aufzuführen.

Er sah seinen Eltern in die Augen und erkannte, dass die Liebe verloren war. In diesem Moment brach sein Herz. Und als würden riesige Schiffsschotte geschlossen, die ihn umgaben, setzte er sich Abseits und weinte sich die Seele aus dem Leib.
Bitte lieber Gott, lass mich sterben, war sein tiefer Wunsch.

Er sah, wie die Menschen ohne Unterlass die Liebe verhöhnten, wie sie weiter mit Steinen und Dreck nach ihr warfen, so lange, bis von ihr nichts mehr zu sehen war. Er erkannte auch, dass die Menschen bald ihr Interesse an ihr vollkommen verloren und schon bald fragten sich einige, was denn dieser Dreckhaufen auf dem Marktplatz suche.

Der fassungslose Junge stürzte in einen tiefen Abgrund der Verzweiflung und des Hasses auf die Menschen. Noch schlimmer, er fing an sich für die Menschen zu schämen und er schämte sich auch für sich selbst, dass er es nicht verhindern konnte.
Dafür fing er an sich selbst zu hassen und sogar Gott zu verfluchen.

Der einzige Trost, den er fand, war sein Großvater, der um die Dinge wusste, dessen Herz auch gebrochen war und in dessen Verständnis der Junge etwas Heimat fand. Doch auch er starb bald und so fühlte sich der Junge verraten und vollkommen allein gelassen.

Er wendete sich vom Marktplatz ab, denn den Schmerz des Verlustes wollte er nicht mehr fühlen. Er blieb ein Außenseiter, so als würde er noch immer am Rande des Marktplatzes sitzen und auch er fing an zu vergessen und zu verdrängen. So bald er konnte verlies er die Stadt.

Auf dem Marktplatz der Stadt, geschah über die Jahre etwas Merkwürdiges. Aus dem Dreckhaufen wuchs ein Baum. Der Baum wurde riesig und die Menschen, meist die jüngeren, fingen an diesen Platz zu lieben. Eine große Bank stand plötzlich unter dem Baum.
Heimlich, in einer dunklen Nacht, hatte sie jemand da hingestellt. Der Baum wurde zu einem Mysterium. Immer wieder, wurde der Platz, zu einem Platz der Liebe. Blumen wurden an seinen Stamm gelegt. Hochzeiten und Taufen wurden hier gefeiert und so mancher Streit versandete hier und kehrte sich um in ein liebevolles Bemühen.
Manchmal war es als würden Menschen mit ihm reden. Mütter kamen gerne mit ihren Kleinkindern, da diese dort sofort selig einschliefen, wenn sie in den Schutz des Baumes eintraten. Und in den lauen Mainächten wurde hier so mancher Bund der Liebe geschlossen. Das Mysterium war, das diese Lieben ewig trugen und von Freude, Glück und Leichtigkeit beseelt waren.

Die Magie des Platzes war bald weit über die Grenzen der Stadt bekannt. Er wurde zu einem wahren Ort der Begegnung und einem Ort des Friedens.

Im Sonnenuntergang sah der ganz aufmerksame Betrachte des Baumes im Licht und Schattenspiel der Rinde, ein lächelndes Gesicht eines jungen Mannes. Es war so zart und anmutig, dass einige Menschen anfingen, in ihm die wahre Magie des Platzes zu erahnen, ja sogar, das Feld der Liebe zu fühlen, welches über die vielen Jahre hier entstanden war und der Natur des Baumes und dieser Welt entsprach.

Und eines Tages, war die Sehnsucht so groß, dass auch der kleine Junge wieder zu seinem Baum zurückfand. Er hatte viele sinnlose Kriege geführt. Kämpfte sein Leben lang um das Mysterium der Liebe. Schwankend zwischen Schlaf und Erwachen.

Geschlagen, matt und taub betrat er den Marktplatz. Langsam kehrte die Erinnerung zurück. Ganz langsam näherte er sich dem Unausweichlichen. Dann saß er auf der Bank. Er zog seine Kleider aus und hängte sich ein Schild um, „Ich bin Liebe!“
Die Menschen wichen erschrocken zurück. Einige betrachteten ihn feindselig und ängstlich. Würde alles von vorne beginnen? Nein, der Spott blieb aus und es folgen auch keine Steine. Niemand traute sich diesen müden, erschöpften Krieger anzugreifen und der Baum, der alles liebevoll einhüllte, tat das seine. Manche näherten sich auch ganz neugierig. Wollten wissen wer er ist. Trauten sich jedoch nicht ihn anzusprechen.

Er saß ganz still und die tiefe Wunde der Kindertage brach gänzlich auf. Den Lebensschmerz, den er in die Welt schrie, machte den Menschen noch mehr Angst und sie wichen weiter zurück. Die Einsamkeit, die er noch einmal durchlebte, wurde vom Mysterium des Platzes getragen. Der Baum schenkte ihm den Halt. Fast verschmolz er mit ihm. Das Mysterium ist größer als der Schmerz.

So saß er viele Tage. Dann wurde ihm bewusst, dass niemand mit Steinen warf. Er lebte noch! Er fing an sich umzusehen. Er sah die Schönheit, des Baumes und des Platzes und viel wichtiger, er sah die Nacktheit aller Menschen. In ihrer Art, die Liebe auszudrücken, hatten sie dem Baum eine wundervolle Heimat gegeben. Er musste lächeln, denn nun sah er auch diesen wundervollen Mann in sich. 

Er saß noch eine Weile so und Stille kehrte ein. Er nahm sich das Schild ab und zog seine Kleider wieder an. 

Da stand plötzlich jemand vor ihm und fragte, ob er Hunger und Durst habe? Oh ja, er fühlte, dass er unglaublichen Hunger hatte. Die Menschen brachten ihm Essen und Trinken und es war ihm, als hätte er noch nie in seinem Leben etwas Besseres zu essen bekommen. Ganz langsam aß er.
Ein paar setzten sich zu ihm auf die Bank und andere kamen näher und setzten sich auf den Boden. Satt und zufrieden blickte er auf. Er hatte nicht bemerkt, wie viele Menschen nun um ihn waren und alle hatten ihm etwas mitgebracht. Neue Sachen zum Anziehen. Ein Lager zum Ausruhen.
Ein Mädchen mit einem Blumenstrauß, an dem ein Schild hing, „Für die Liebe!“
Das erste Mal in seinem Leben, berührten wieder die Menschen sein Herz und er begann zu erzählen,

die Geschichte vom Baum und von  „Ich bin Liebe!“ 

 

 





 

  

2011-01-20 Es war die Liebe

SIE betritt den Raum
Lockige Haare
Schwarze, traurige Augen
Tief wie Seen
Unglaublich schön ist SIE, die Liebe

Mein Herz bleibt stehen, der Atem stockt
In der Zeitlosigkeit dieses Moments, begegne ich meiner Fassungslosigkeit
Ich drohe zu fallen
Bitte nicht jetzt
Wird das Herz explodieren
Weiter atmen
Der Schmerz ist stechend scharf
Reißt es auseinander
Lichtblitze scharf
Ich darf nicht hinsehen, sonst kann ich es nicht halten
Habe das Gefühl, mich schützen zu müssen

Dass SIE mir jetzt begegnet, diese tiefe Liebe
Ist das Entsetzen, über das Ausmaß, auf meinem Gesicht zu sehen
Gut, dass ich sitze
Atmen
Trauer, Einsamkeit

Der Fluss durch das tiefe Tal ist breit, an dieser Stelle
Er hat sich tief ins Gebirge eingeschnitten
Was für eine Kraft, die da wirkt
In einiger Entfernung öffnet sich das Tal in eine Ebene
Ich gehe weiter, ganz langsam, in meinem Tempo
Eile ist nicht mehr nötig
Ich habe alles getan, muss nur noch weitergehen
Merke wie müde und erschöpft ich bin
Muss viel öfter eine Rast einlegen
SIE hat mich total herausgefordert
Ich trage SIE schon mein ganzes Leben
Oder trägt SIE mich
Der Weg entsteht beim gehen
Ich folge nur dem Fluss

Aber es ist gut, ich bin IHR wirklich begegnet
Werde ich Dich je wieder sehen
Der größte Schmerz
Die größte Verzweiflung ist, dass ich alleine gehen muss
Sterben
Ich wollte SIE doch nur verschenken

Wenn ich den Ozean erreiche
Werde ich geduldig auf Dich warten
Denn ich weiß
SIE war immer da

Gute Reise
Der Wanderer

 

   


 
 
 

2011-05-11 Sprachlos

Wie kann ich es sagen, ausdrücken? 
Es gibt keine Worte, für das was auf dieser Welt geschieht. 
Nur Fassungslosigkeit, Sprachlosigkeit!

Die Faszination der Form entwickelte sich im Mutterleib. 
Ich musste nichts tun. Alles war entschieden. Das Leben trug mich. 
Gefühle und Energien kondensieren zur Materie. Ganz im Sein. Nur fließendes Sein. 
Rausch der Sinne und des Fühlens. Kein Denken! Keine Sprache! Unendlichkeit!

Weich und zart will die Struktur erwachsen. Verbunden mit allem. 
Zellformen bilden sich und stoßen auf erste fremde Resonanzen.

Die freie, feine, Energie kollidiert mit unglaublicher Wucht im Unbekannten, im Manifesten.

Empört Sprachlos

 

 

 

 




 

 

2011-01-05 Draußen Stille

Ruhe im Kopf
Keine Auseinandersetzung mehr
Nichts, dass sich mehr auseinandersetzen könnte
Nichts, ist mehr auseinandersetzenswert
Frieden

Alles Wissen trog, half nicht und doch trug es
Die reine Wahrnehmung des Raumes schließt diese Tür
Draußen

Ich bin wirklich gegangen, tatsächlich gegangen
Die Türe ist zu 
Aufatmen

Saubere, frische Luft
Ungläubiges sitzen in vollkommen stillem Raum
Abgeschnitten vom Drama
Das Drama ist im Raum geblieben
Die Enge ist im Raum geblieben
Der Raum war unglaublich Enge und voll von Drama; Krieg

Warum bleiben die Menschen da drin, Sicherheit, Sucht, Not
Sie sehen, wie ich gegangen bin
Draußen bleiben
Fort von der Türe

Das Vakuum macht Angst
Folge nicht den Gedanken
Folge der Stille
Nehme den Raum wahr

Die Verantwortung für deine Freiheit, ist alles zurück zu lassen
Familie, Freunde, Partner, Kollektives, alles bleibt zurück
In der Verantwortung ist die Freiheit der Liebe
Am Strand des Meeres schwimmen, parallel, in einer Reihe, soweit der Blick reicht, massive, graubraune Holzsärge

Die Toden loslassen
Sitzen
Staunen
Vertrauen
Ich kenne das
Hatte es vergessen

Möchte es mit Anderen teilen
Niemand zum Zuhören
Trauer
Einsamkeit
Kein Anderer ist hier
Es gibt kein Anderes
Was mache ich jetzt damit
Wie mache ich weiter

 

 


 
 
 

Montag 28. Juli 2008

Heimatland

Es ist wie ein Anzug, der plötzlich nicht mehr passt.

Entsetzt siehst du es im Spiegel. Oder eine Krankheit, die alles verändert. Ein bisschen ist es auch wie sterben. Es hat auch mit Verantwortung zu tun, die übernommen werden will. Verantwortung zu leben und zum Leben. Als könnte ich mich vor den Tod drücken. So hat das Leben doch die gleiche Bedeutung. Ich kann mich auch nicht vor dem Leben drücken.

Denn, da steht es vor mir und fordert mich heraus, unausweichlich, mein Leben. Es ist nicht interessiert an dem was ich will. Ich habe doch einen so guten Job und noch ein so wichtiges Projekt. Ohne es wirklich bewusst zu entscheiden, stehe ich plötzlich in einer Sackgasse.

Gefühlschaos, Sinnlosigkeit, Resignation, Verzweiflung nahe am Wahnsinn. Selbstmord erscheint an diesem Punk, als eine gute, manchmal einzige Möglichkeit. Leben bedeutet in diesem Moment, alles zu riskieren.

Viele Jahre habe ich nicht hinsehen wollen. Du lebst in dem Glauben, du kannst dein Leben kontrollieren.

Welch ein Irrtum!

Welch eine Sackgasse! Der Irrsinn des täglichen Lebens reißt einfach ab.

Punkt!

Fast gewaltsam findet das Alte keine Bedeutung mehr in mir. Ich stehe vor einem Scherbenhaufen. Ich weiß, ich hatte mich schon einmal gegen das Leben entschieden. Vor langer Zeit. Die Schatten meiner Kindheit verfolgen mich, bei Tag und Nacht. Die Verzweiflung wird für viele Jahre meine Weggefährtin.

Immer wieder war es da, dieses Gefühl der vollkommenen Neutralität. Ich nannte es Betonplatte.

Dieses Gefühl des sich schmerzhaften fremd Seins und der Sinnlosigkeit. Das Gefühl, dass mir nichts und niemand etwas bedeutet. Alles ist umrahmt von Resignation und selbstzerrstörerischer, wütender Gleichgültigkeit.

Fatalistisch wäre es, dies als ein Gefühl zu bezeichnen, das mich immun macht, mich nichts rühren lässt. War es doch das, was mich in der Gesellschaft als stark erscheinen lies, mich zum harten Manager machte. (Ich sitze auf der Terrasse und ein Marienkäfer fliegt mir ins Gesicht. Ja du kleiner, dich habe ich gespürt. Danke für die kleine Freude die du mir bereitest.)

Mit Worten ist es nicht zu beschreiben. Worte erscheinen mir zu klein dafür. Es war etwas Großes und Mächtiges und ist es immer noch. Eine all umfassende Angst. Eine Angst, die mich hat abstumpfen lassen.

Diese völlige Überforderung der Sinne. Die Sensibilität des Kindes kippt in Agonie. Die Qualen an Leib und Seele haben stumpf, taub gemacht. Völliger Rückzug, Isolation. Es ist vergleichsweise einer Sucht. Die Dosis muss immer höher werden und so ist es auch bei einem Kind, das in überfordernden Verhältnissen aufwächst. Nur ist es hier keine Sucht, zu der wird es dann erst später.

Missbrauch, Schläge, Demütigung, ständige und andauernde Grenzüberschreit-ungen. Die Qual wurde zum Alltag. In diesem Chaos zieht sich die Kinderseele zurück. Taubheit stellt sich ein. Weggehen aus dem Realen. Ich wendete mich hin zum Träumen und zu Illusionen.

In den ersten Schuljahren saß nur ein Körper in der Schulbank, der auf den Namen Ulrich hört. Ein Zeichen der Größe dieser Illusionen ist der anhaltende Glaube, dass es doch nicht so schlimm war, selbst heute noch.

Erleben wir es nicht tagtäglich in den Nachrichten. Die schlimmsten Meldungen auf Dauer, rühren uns irgendwann nicht mehr. Hier ist dann auch die Stärke zu finden im tragen und ertragen des ganzen Geschehens. Denn machen wir uns doch nichts vor, dieses Aushalten kostet Kraft, viel Lebenskraft.

Wenn du dann müde wirst, dir die Kraft ausgeht, dann hat das Leben wieder eine Chance und trägt seinen Teil dazu bei hinzusehen. Der Verstand suggeriert Aufgeben und Selbstmord. In dieser Taubheit fließt das Leben weiter, wie auf einer Bühne. Die Taubheit ist Teil der Rettung. Ich fühlte mich vollkommen teilnahmslos.

Umgangssprachlich könnte man von einem dicken Fell sprechen. Nur in diesem Fall führte es mich in die Einsamkeit, in die Isolation. Die einzige Möglichkeit war Wegtauchen. Der Preis: Einsamkeit, Beziehungslosigkeit, keine Liebe. Ich habe mein Königreich abgeschlossen. Die Türe verschlossen.

In dieser vollkommenen Einsamkeit bemerkte ich es nicht einmal, wie einsam ich war. Konnte es nicht sehen und mir vor allem nicht eingestehen. Ich lebe doch eigentlich ganz gut. Frau, Haus, Auto, Garten, Urlaub, guter Job. Es fehlt an nichts, sagten meine früheren Freunde zu mir! Was hast du bloß?

Ich stieß auf zunehmendes Unverständnis und zog mich auch hier zurück. Verlor alle meine Freunde. Was passiert da?

Bei diesem Gedanken sehe ich ein Bild vor mir. Wie in einem Tagtraum, sitze ich auf einem großen Stein und sehe eine öde, weite Ebene. Gleißendes, grelles Sonnenlicht hat den Boden ausgezerrt.

Das Feld könnte in Spanien sein. Ein paar Bäume stehen am Rand. Das Land leidet seit langer Zeit unter einer erdrückenden Dürre. Mir ist klar, dass dieses Feld mein Lebensacker ist.

Schmerzhaft liegt die Hitze auf dem Feld. Nichts bewegt sich. Ich sitze da und sehe auf das Feld. Die Trauer der öden, steinigen Landschaft berührt mich. So viele Jahr Hitze, Steine, karger Lohn.

Es passt nicht zum äußeren Erscheinungsbild meines Lebens. Ich erschrecke in der Erkenntnis! Es ist meine Seele, mein Seelenacker.

Im Trauma der Kindheit vertrocknet, ohne geistige Nahrung. War ich doch auf Nahrung anderer angewiesen, in diesen frühen Kindertagen. Wie oft bin ich des Nachts, in meinem eigenen Erbrochenen erwacht.

Dass ich meiner Seele folgen wollte und diese Nahrung verabscheute, indem ich das Essen verweigerte, passt in das Bild, war aber nur eine äußere Abgrenzung.

Ich habe es überstanden, bin ein Überlebender, habe mich zu einem Minimalisten entwickelt, entgegen der Talente meiner Natur.

Ich bin Überlebender einer tragischen Trockenheit. Es waren nicht die Schläge, der Missbrauch, die vollkommene Unberechenbarkeit elterlichen Handelns. War doch dieses nicht verstanden werden der größte Teil der Last.

Das gänzliche Fehlen einer geistigen Dimension, um die ich heute so sehr ringe. Die Vorstellung, ein Kind in dieser Umgebung überleben zu sehen ringt mir Würde ab. Eine Größe, wie ich sie noch nie in mir sehen konnte. Immer noch, kann ich vieles Geschehene nicht fühlen. Aber meine Seele führt mich genau dahin zurück, zu diesem Ursprung. Wie viele Tränen muss ich weinen um diesen Acker zum Blühen zu bringen, denn ich bin mir sicher, das Samen überlebt haben.

Liebe Großeltern, liebe Mutter, Vater, Bruder, liebe Frau, Freundin, Freund, auf meinem Lebensweg bin ich nicht immer auf meinem Stein gesessen. Der große Wind hat mit mir sein Spiel gespielt. Hart hat er in mein Leben geblasen. Ich konnte mich nicht halten. Der Verstand, das Dogma hat mich in ein mir fremdes Land getragen. Verzweifelt bin ich herum geirrt. Im Verlust, manchmal nahe am Wahnsinn. Die Erinnerung an meinen Stein und meinen Acker, hat eine solche Sehnsucht in mir entfacht, dass ich immer weiter lief.

Ich bin weit gereist und habe viele Felder entlang des Weges besucht. Ein Stück des Weges rastete ich bei dir und du bei mir. Hoffte dort, etwas Nahrung zu finden. Möglicherweise habe ich in meiner Gier nach Leben, dir das letzte Grün zertreten oder dich verantwortlich gemacht für diese menschliche Tragödie, dieser globalen Seelendürre, wie sie in so vielen, ja fast allen Familien herrscht.

Möglicherweise aber bist du in deiner Gier auch bei mir eingebrochen oder du hast dich verweigert. Oft hätte ich gerne geteilt, aber ich musste dich wegstoßen, hatte selber nichts zu geben, so glaubte ich.

Viele habe ich weggestoßen, ich hätte es sonst nicht geschafft. Ich glaube ich hätte sogar getötet, nur für ein bisschen Nahrung, Trost, Hoffnung, Liebe. War doch das Entsetzen riesig, zu erkennen, dass auch du Zäune und Mauern um dich aufgestellt hast. Die gleichzeitig auch meine Zäune und Mauern sind.

Wie ich, so bist auch du im haben Wollen gefangen, nicht frei im Geben können. Selbst denen, die mir etwas von ihrem Spärlichen geben wollten, auch die habe ich aus Misstrauen weggestoßen.

Du hast dich immer gewundert, warum ich weiter ziehe, nicht bleiben kann. Deine Einladung war nur zu verlockend. Und dann ist da auch noch diese tiefe Scham, deinen Acker so benutzt zu haben, wie ich es gelehrt bekommen habe. Der Gedanke erfüllt mich mit Abscheu, mir selbst gegenüber. Auch ließ ich in meiner Lethargie meinen Samen überall fallen. Der Ärger war groß, besonders, wenn ich in meinem Trotz gegen die gesellschaftlichen Normen verstieß.

Vielleicht kannst du verstehen, dass ich zu meinem Stein, zu meinem Feld zurück muss. Wie sonst, soll ich meine Heimat finden. Sterbe ich doch vor Heimweh. Heimweh so groß, dass es mich krank macht, seit Kindertagen.

Lange wusste ich nicht wer du bist, Heimweh. Ich musste weiter, sonst hätte ich mich vollkommen verloren. Möglicherweise wäre ich gestorben. Die Sehnsucht nach meiner blühenden Wiese ist größer als alles irdische Leben.

In Australien habe ich das erste Mal dies fühlen dürfen. Dort wurde mir die Gnade geschenkt, Einblick zu nehmen. Dort bin ich eingebrochen in meine Bodenkrume. Ich durfte das erste Mal dieses herrliche Gefühl fühlen, was Heimat ist. Sie ist dieser Boden um den ich mich kümmern muss, sonst wäre dieses Leben endgültig verwirkt. Ich darf nicht auf fremden Feldern ernten. Mein Feld, sein jetziger Zustand macht mich demütig. Er zeigt mir meinen Platz im Leben. Das Geschenk liegt in dem Samen, im Boden, im noch Verborgenen.

Auch bin ich ehrlich und muss dir sagen, dass ich noch nicht recht weis was zu tun ist. Eines aber ist sicher, dass ich richtig entschieden habe, denn ich sitze nun wieder auf meinem Stein.

So lange Zeit. So viele Irrwege und nun wieder ankommen. Und ich will mir meine Zeit nehmen, mein Tempo für meinen Boden. Meinen Samen pflegen. An einer kleinen Stelle habe ich begonnen mir die Erde anzusehen. Sie ist von vielen fremden Einflüssen zu einer Panzerschicht geworden. Ich habe sie zu einer Panzerschicht werden lassen, fest und hart. Ich habe begonnen sie aufzureisen. Teilweise mit rüden Methoden. Doch die Freude ist groß. Es ist fruchtbare Erde.

An anderer Stelle sind Zäune niederzureißen. Zäune gesellschaftlichen Denkens, falscher Moral, die ich mir angewöhnt habe. Gräben wollen gesäubert werden von all dem nutzlosen Ballast, den ich angesammelt habe und von all dem, was Menschen achtlos haben liegen lassen, damit auch das Wasser wieder fließen kann.

Der jähe Zorn, mit dem ich in meiner Unwissendheit, den Boden verteidigt habe, kann weichen und darf nun von mir entschieden werden, wem ich Zutritt gewähre und was ich anbaue. Wozu ich ihn Nutzen möchte.

Auch habe ich Angst davor an der Panzerschicht zu scheitern. An der schieren Größe! Wie viel wird es mir abverlangen und habe ich die Kraft täglich wieder und wieder hinauszugehen? Kann ich mit einem täglichen „JA“ mich immer wieder dafür entscheiden? Niederlagen einstecken?

Werde ich ihn brechen können den Panzer?

Wasser würde helfen ihn weicher zu machen. Kleine Rinnen der Bewusstheit können das Wasser halten und Schollen lösen. So stelle ich es mir vor. Und genau so wie ich der Sehnsucht gefolgt bin, will ich nun allen Seelenbauern folgen, die mir ihre Hilfe zu teil werden lassen.

Du Liebe/er, ich habe diese Zeilen nicht geschrieben um Mitleid zu ernten. Auf meinem Feld möchte ich Mitleid oder Selbstmitleid nicht mehr pflanzen. Nein! So viele fragen immer wieder warum?

Auch mich hat diese Frage immer wieder vorangetrieben. Auch bin ich nicht an Rechtfertigung interessiert. Ist es nicht so, dass uns allen der große Lebenswind mächtig in das Gesicht bläst und wir das gleiche Schicksal teilen?

Der Wind der Gedanken, der so schnell alles Mögliche herbei trägt, wenn ich nicht achtsam bin. Häufig ist es auch ein wütender Gedankensturm mit dem ich vernichten kann. Diese unsäglichen Suchtgedanken, wachsen sie nicht auf jedem unserer Felder.

Gedanken wie: „Ich will!“ Ich habe das Gefühl, dass mein Boden weiß was er will. Dieses Wollen des Feldes ist wohl in seinen Wurzeln begründet und die kommen aus einer anderen Dimension. Ich schreibe Euch auch nicht, weil ich auf Euern Acker zurückkommen will, nein!

Das Gefühl Heimat zu finden bezaubert mich und nehme auch hier mein Alleinsein an. Die Angst ist immer noch da. Aber auch sie fordert mich. So wie auch Ihr mich gefordert habt. Ich will Euch vielmehr danken, denn ohne Euch und das Reiben an Euch und mit Euch, wäre ich nicht so weit gekommen.

In der Agonie meiner Kindheit, wäre ich wohl versunken, wenn es Euch alle nicht gegeben hätte. Und deshalb diese Worte und meinen aufrichtigen Seelendank.

Ohne Kirche und Dogma betrachtet: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen!“ Wenn ich zulassen, dass hier nicht Bestrafung, sondern Wachstum, Möglichkeit, Ernte, Würde, ja sogar Freiheit gemeint sein könnte, die Freiheit nichts zu tun, dann liebe ich diesen Acker. Dann ist er das größte Geschenk, selbst wenn ich daran zugrunde gehe!

Und wenn ich das tue, ist es dann nicht immer noch das größte Geschenk überhaupt, zu wissen, auf seinem Heimatland seine letzte Ruhe zu finden! Sterben, mit dem Herzen voller Dankbarkeit und einem „JA“ auf den Lippen. Seelenheimat!

Danke!

 

 




 

 

2008-07-05 In das Wort gepresst

Es fliegt mich an. Plötzlich und völlig Überdimensional, scheint aus einem Hintergrund, einer anderen Wirklichkeit zu kommen?

Ich fühle mich in das Wort gepresst.

Ich muss mich übergeben, weine haltlos. Ich kenne das Gefühl, hatte es schon bei Rilke, „Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort“. Nun diese Erkenntnis.
Meine Legasthenie, meine kindliche, mannigfaltige Vorstellungskraft in Schemata gepresst, pressen müssen. Die Richtigkeit des geschriebenen, gesprochenen war wichtiger als der Inhalt, der Sinn, das Wesen. Die Demütigung über gemachte Fehler hat die Kinderseele erschüttert, zermürbt. Warum war niemand an meiner kindlichen Kreativität interessiert? Warum verlangt ihr von mir euer richtiger Ulrich zu sein?
Warum erkanntet ihr nicht mein Sein, das was ich meinte?
Urlich, Ulirch, Ulchri, es wäre so schön gewesen „U“ zu heißen. Das wusste ich schon früh, dass das U ganz vorne steht. Da hätte ich keine Fehler machen können. Ihr alle wusstet was ich meinte, „Meine Tante kommt nicht zu mich, da komme ich auch nicht zu dich!“ Schallendes Gelächter. Bist halt unser kleines Dummerle. Zwei kleine Fehler. Der Rest war richtig und für mich wichtig.
Mich oder Dich, wo ist da der Unterschied. War nicht viel wichtiger, dass ich gekränkt war, dass meine Tante mich nicht mehr besucht. Habt ihr das nicht verstanden?
Habt ihr euch geschämt für den Familienstreit mit der Tante?
Wie sehr habe ich mich geschämt. War es am Ende euere Scham über mich, die ich empfunden habe?
Warum ist der Boden nicht aufgegangen und hat mich verschluckt in diesen Momenten der unendlichen Einsamkeit. Der Einsamkeit hinter dem Gelächter und der Demütigung. Dieser frühe Wunsch einfach weg zu sein.

Die ersten zwei Jahre in der Schule. Träumen! Gar nicht da sein, nur körperlich. Oh du kostbarer, sicherer Platz der Träume.
Ich wollte nicht lernen, mich nicht pressen lassen in diese Enge. Mir nicht meine Phantasien rauben lassen, war dies doch der einzige Platz von Glück, in all dem familiären Geschehen. Nicht einmal die Drohung mit Sonderschule, die brutalen Schläge und Bestrafungen haben geholfen, mich überzeugen können. Glück, Schicksal?
Ein neuer Lehrer wurde mir geschenkt. Er war begeistert von meinen Geschichten. Interessiert an meiner Meinung, Sichtweise. Unglaublich! Dieses Geschenk des Himmels, sagt doch tatsächlich laut vor der Klasse: „Wollen wir nicht mal den Ulrich fragen, was er dazu meint?“
Von da an wurde ich oft gefragt, musste nichts schreiben, nichts rechnen, mich nicht pressen lassen, durfte sprudeln. Gedanken, Worte, meine Wahrheit. Nun waren sie doch wichtig, diese Worte. Ich bekam den Spitznamen Professor von ihm, konnte sogar auf eine weiterführende Schule gehen.
Du guter Mensch hast mir einen so großen Raum eröffnet. Ich fühle wie groß der Platz in meinem Herzen für dich ist. Wie groß die Liebe zu dir, du wirklicher, weiser Lehrer. Auch hier ist dein Name nicht mehr wichtig, ich habe ihn vergessen. Verbunden mit dir bin ich immer noch und deiner Liebe für mich.

Pater Williges Jäger schreibt: Ein Analphabet, der vor einem Gedicht sitzt, kann die Buchstaben zählen, er kann Höhe und Breite messen und so weiter. Das Gedicht verstehen kann er auf diese Weise nicht.

Aus dieser fast banalen Erkenntnis kommt der Gedanke aus der anderen Richtung. Der Gedanke, wenn ich aus dem Unendlichen komme und werde in die Enge gepresst, geboren, (Geburt) in diesem Moment nehme ich Kontakt auf, zu meiner Verzweiflung, meiner Verwirrung, meinem Irrsinn.
Ich irre herum ohne Sinn. Das berührende ist die Größe meiner Herkunft. Das lässt die Mauer brechen. Bin ich das wirklich?
Da stehen sie, meine Ahnen, die Pyramide, mein Fluss!

Wir sprechen vom Untergang von Lemurien, vom Untergang von Atlantis. Was ist, wenn das nur Denkformen sind?
Was ist, wenn wir an dem Wort Untergang fest hängen, wenn es gar keinen Untergang gab, auch nicht gibt und dies sich in der Denkform begründet? Wenn wir nur den Kontakt verloren haben zu unserem inneren Atlantis?
All diese Fragen überfluten mich, im Moment der Trauer und Erkenntnis. Das Unbeschreibliche, Unfassbare, es hängt fest verankert an der Bedeutung der Worte. Kontakt könnte ich wieder herstellen, aber Untergang?
Die Weigerung, Zerrissenheit meines Verstandes, dem Baum eine neue Bedeutung zu geben, eine Erlaubnis, anders als die, die mir eingeprügelt wurde, die von tiefer Angst erfüllt ist, wahnsinnig zu sein. Frei lieben zu dürfen! Die Freiheit zu erkennen, dass Gott alles trägt, ich es trage, weil ich göttlich bin. Bin ich nicht auch sein Sohn?
In diesem unglaublichen Geschehen auf dieser Welt, die Freiheit zu erkennen, meine Freiheit, reißt das Geschehen weg vom Wort, zur Freiheit, zu meiner Würde im Menschsein. Das Unbekannte, der Hintergrund ist von übermenschseins Größe, das alles getragen ist. Mord, Vergewaltigung, Kindesmissbrauch, Hitler, Busch, Hussein, all das sind nur Pressformen, Konditionierungen. Es wird noch schwerer werden für die Welt, da die Erkenntnis aus der Pressung kommt, bis sie sich in Geburt erfüllt!
Das EGO hält mich hier fest und doch war da immer ein Gefühl, eine Sehnsucht die mich führt, aus dem Anderen, jenseits von Wort, Bedeutung, Form, Pressung.

Nun weiß ich lieber Freund auf meinem Weg, warum ich so verletzt war über meinen „Stillen Ort“. Warst nicht an meinem Sinn interessiert. Gefangen in einer Bedeutung?

Wie unbeschreiblich schön sind diese Erkenntnisse, Erleichterung.

Enie übregorße bühledne, dfutnede Blmue der Erleichterung.   

Ihr alle, Traumbotschaften, Tagtraumbotschaften achtsam will ich euch lauschen, neue Bedeutungen erlauben lernen. Mich tanzen lassen und verbinden, was verbunden gehört. Lange frage ich mich schon, wenn meine Träume so real!? (was ist real? Wieder so eine Gedankenform?) sind, was ist dann der Tag. Eine andere Traumebene?

Und ganz besonders an dich, du Traumfrau. Hast mich schon so oft besucht. All diese Gefühlsverwirrungen mir in den Tag gebracht. Wenn du da bist, werde ich es wissen und mit dir alle Leidenschaft ins Leben bringen.
Wie sehr freue ich mich auf dich. Du willst leben, kommst Nachts ganz oft zu mir. Ich will mich von dir überraschen lassen. Meine Sehnsucht nach dir ist in den Träumen geboren. Daher weiß ich, wie es sich anfühlt und was ich, nein was du vermisst, was du brauchst um Raum zu haben.
Ich begriffe nun, möchte dich begreifen und bin bereit für dich. Ich will dir mein ganzes Mannsein schenken, damit auch du dich in mir erfahren kannst und ich dich erfahren kann, mich selbst lieben zu lernen. 

 

 

 



 

 

2008-04-26 Liebende Worte

Gerne würde ich sie wieder zusammensetzen können. Sanfte, zarte, liebende Worte. Kraftvoll, wie ein duftender Frühlingsmorgen. Manchmal, fast wie durch Zufall, finde ich eines und dann berührt es mein Herz. Von wo kommst du?
Mein Verstand will sie nicht mehr formen, wehrt und windet sich. Alte Erinnerungen haben sie verdrängt, unter der Last der Scham und Demütigung begraben. Doch da ist diese Sehnsucht nach ihnen.
Stark und mächtig treibt es mich. Diese unbeschreibliche Sehnsucht nach Zärtlichkeit, nahe am Wahnsinn.
Sie sind wie duftende Blumen. Es ist der Duft, der den leeren Raum erfüllt, wenn sie erblühen. Dann berühren sie mich und ein Schauer geht durch mein Herz. Ich spüre diesen unendlichen Druck in mir, diese Sehnsucht nach Liebe, nach dem liebenden Ausdruck. Gott, die Welt, die Liebe in ihnen zu erwecken. Sie in mir sprudeln zu lassen.

Doch da ist etwas, schleicht sich leise an. Immer war ich auf dich so sehr fixiert, auf deine genaue Bedeutung. Wie konnte ich diesen Raum dazwischen vergessen. Nur durch ihn kann ich die Blume riechen. Hat der Baum seine Form. Finde ich mein Sein. Es bist nicht du, du Geliebte, du geliebtes, vergessenes Wort. Es ist der Raum dazwischen den ich dir nie gegeben habe. Du wundervoller Klang.

Dieser mächtige Klang der Orgel in der Kirche von Cancal, hat mich erzittern lassen, ist Teil meiner Sehnsucht. Wie sehr brauche ich diesen Raum um dich überhaupt wahrnehmen zu können.
Diese wundervolle mir alles gebende Leere, die mich formt. Wie könnte ich mich dir nähern, du Geliebte, du geliebtes Wort, wenn es diesen Raum zwischen uns nicht gäbe. Mein Herz klopft. Geduldig will ich auf dich warten. Ich weiß, du wirst kommen. Ich muss es nur zulassen.
Du willst mich haben und ich will mich dir schenken. Doch es ist als würde es keine Worte für dich geben. Du geliebtes Wesen, ich glaube zu zerbrechen, wenn ich mich dir nähere. Du bist so ALLES.
Der Raum aus dem du kommst hat keine Grenzen und das macht mir Angst. Mein Verstand braucht die Form und die Grenze. Du jedoch bist grenzenlos. Du kommst aus dem Nichts, der Leere, gibst mir somit alles.
Den Schmerz, den ich über deinen Verlust empfinde ist ebenso grenzenlos. Wie schwere Schiffsschotte habe ich die Türen zu dir verschlossen.
Doch dieser Duft, der durch die Ritzen zieht, lockt mich. Jetzt im Frühling ist es ein besonderes Wunder, ein besonderer Rausch.
Du ermöglichst das schwingen der Atome, gibst den Planeten ihren Raum. Ich fühle, dass du von dort kommst. Das ich vor dir davonlaufe. Du hast eine solche Wucht, die ich nur erahnen kann, wenn ich die universelle Ordnung betrachte, den Sternenhimmel.
In dieser Ruhe begründet sich alles, bis zum feinsten Duft einer jeden Blüte. Dem Klang dieser kostbaren Worte. Maiglöckchen und Schüsselblumen habe ich dir zur Maiandacht gebracht. Da war sie noch da diese Hoffnung, mit dir verbunden zu bleiben, mich dir zu schenken, in kindlicher Unschuld. Weinen möchte ich.

Meine gelernte Sprache ist wie dicker, zäher Schlamm in dem ich stecke. In dem ich versuche mich vorwärts zu bewegen.
Nun erkenne ich meine Bewegungslosigkeit. Im Wissen und wissen wollen gefangen.
Du hast mich angelächelt, mit göttlichen Augen, dein Strahlen, deine Berührung, deine Nähe, dein Duft war durch dich möglich. Wie ein kostbares Geschenk hast du mich aufgenommen, hast du mir Heimat gegeben. Meine Sinne betäubt, mich süchtig gemacht. Du bist das einzige, dem ich das Wort Liebe zuordnen kann. Habe aber das Gefühl, dass es dir nicht gerecht wird. Gefangen in meiner Vorstellung von Liebe.
 

Ich warte auf dich du Geliebte. Ich weiß, dass es dich gibt. Wenn du mir die Gnade des Raumes schenkst, werde ich dich wieder erkennen. Bestimmt kommst du zu mir, du zartes, duftendes, blühendes Wort.
Sprechen will ich durch dich. In tiefster Andacht und Demut will ich durch dich sprechen lernen.
Die Freude ist riesig auf dich und es wird nichts mehr so sein wie es war, wenn du kommst, das weiß ich.
Diesmal werde ich nicht feige flüchten, mich wegducken.
Das Königskind wird seinen Platz einnehmen, wenn du mir die Gnade schenkst. 

 

 

 



 

 

 

2008-04-24 Zarte Seele 

Du kleine zarte Seele, du rührst mich so sehr. Wie kann ich über Rosenblätter gehen ohne sie zu zertreten, um dich in deren Mitte anzutreffen?
Ich fühle mich hilflos, wie soll ich mich deiner Zartheit nähen?
Alles was ich tue kommt mir grob vor, wenn ich in deine Nähe komme. Meine Worte, mein Handeln erscheinen mir zu grob. Es ist als würde es etwas hinter der Sprache, den Worten geben.
Ein Schauer rieselt durch meinen Körper bei diesen Gedanken. Es ist als müsste ich komplett neu Anfangen, alles ablegen, mich erinnern. Ich kenne es, denn ich kann es ja fühlen, in weiter Entfernung. 

Deinen Körper zu umarmen ist das eine. Es ist eine unglaubliche Freude. Deine Wärme zu spüren, wenn du mich empfängst.
Dich zu lieben ist das andere. Doch dort endet es nicht. Es ist als müsste ich deinen Duft verstehen, mich ihm nähern können. Dein Seelenduft! Für ihn gibt es nichts Irdisches. Kein Wort, keine Beschreibung.
Warum will ich es überhaupt beschreiben?
Es ist nicht zu begreifen, nur zu empfinden. Wie flüssiges Licht, flüssiges Gold fließt du durch mein Herz.
Viele Jahre habe ich mich gut versteckt. Nun will ich dich nicht mehr täuschen. Ich kann deinen Seelenduft riechen?
Ja, ich rieche dich du zarte Seele, du Sternenkind. Du spiegelst mir meine Zartheit, wie soll ich das ins Leben bringen?
Es ist ein Gefühl, das ich nicht erlaubt habe, vergessen habe, vergessen wollte. Ich winde mich in all meinem Widerstand, wenn du in meine Nähe kommst.

Und doch ist es Glück, wenn du bei mir bist. Doch dann kommt meine Trauer. Sie sagt mir, es fehlt dein nächster Schritt. Der Schritt in das Rosenfeld.
Ich fühle und rieche es. Es verbindet uns. Es ist wie ein Schritt in das Universum, in mein bedingungslose Vertrauen.
Ich müsste dem Narr in mir vertrauen lernen. 

 

 

 


 

 

2007-12-30 

Es ist ganz still, ganz dunkel. Ruhig liegt der See. Ich weiß nicht wie ich hierher gekommen bin, in dieses Boot, mitten auf einem See. Er ist riesig, eingeschlossen von hohen Bergen. Lang hat er sich in das mächtige Tal ausgestreckt, unausweichlich. Ich sitze nur da. Soll ich rudern?
Ich bin müde vom Rudern über all die Jahre. Meine Arme hängen schlaff an meinem Körper herunter. Rudern?
Zu groß ist der Schmerz der vielen Jahre krampfhaft, kampfhaft rudern.
Gerne würde ich ein Segel setzen. Kein Wind ist mir geschenkt. So nehme ich meinen Platz in dieser Zeit, in der mir nun geschenkten Stille. Zeit zum Umsehen, zum Erinnern. Wo ist die Quelle, wo ist der Einstieg, der Zufluss?
Ich kann es nicht sehen, so weit bin ich entfernt. Ich habe auch keine Erinnerungen mehr daran. Ich beschließe mich von der Strömung treiben zu lassen, vom Wasser tragen zu lassen. Nutze die Zeit für eine stille Betrachtung.
Ein weit ausladendes Gefühl der Einsamkeit ergreift mich, Teil der Stille auf meinem See. Wie ein dunkler Schleier liegt sie auf meiner Brust. Wie bin ich hierher gekommen, frage ich mich immer wieder?
Wie lange bin ich schon auf diesem See unterwegs, ohne es bemerkt zu haben, so beschäftigt mit rudern?

2008-03-29

Ich sitze nach dem Frühstück in meinem Schaukelstuhl. Etwas berührt mich, kommt aus alten, fernen Tagen. Es kommt aus der Zeit, als der Worte Macht mich von meinem Raum getrennt haben. Worte der Unachtsamkeit, Handlungen der Gewalt.
Zuviel für die Kinderseele. Es ist ein kindlich, zarter Raum. Gedanken an weißes Licht, goldene Strahlen, Maiandacht, selbst gepflückte Blumen in der kleinen Kinderhand, für Gott als Geschenk.
Ich stehe vor der Tür und sehe, wie die Tür sich langsam schließt. Ich wehre mich dagegen die Gefühle sprudeln zu lassen. Es ist nur ein kurzer Augenblick der absoluten Schönheit. Wie ein zarter, warmer Frühlingswindhauch, voll des Blütenduftes, voller Zauber.
Aber auch das Wissen um der vergangenen Gefahr und das Wissen um diesen Raum. Ich habe die Türe zu diesem Raum selber geschlossen.
Der Worte vertrauend, im kindlichen Glauben erstarrt - du bist auch nicht gut genug für Gott - Ganz langsam hat es sich zwischen mich und die Unendlichkeit geschlichen. Das menschliche Wort!
Wie mag es dem Kind ergangen sein, dass wider besseren Wissens, selbst die Tür zum Paradies schließt, im Glauben, da gehöre ich nicht hin. Du bist voll von Sünde, Schmutz, Unrecht und Lüge. Du hast kein Recht da zu sein, kein Recht zu leben. Das Kainmal auf der Stirn. Jeder kann es sehen, hüte dich. Deine Worte, lähmendes Gift!
Das Königs Kind, von Bettlern groß gezogen, wird nie den Königssaal betreten, selbst wenn es weiß, ich bin ein Königskind. 

2008-04-04

Vater, Mutter geblendet von euerem Gram, habt nicht gesehen welch großes Geschenk ich bin. Ich hätte es euch gegeben. Es ist ja euer Leben, das ich weiter trage.
Die Wut den Raum zu verlassen, meine Seele dort zurück zu lassen, mich selbst zu verraten, ist unermesslich.
Da bin ich gegangen, wollte nicht mehr leben. Beladen mit Schätzen, nicht von irdischem Wert, kam ich hier an.
Alles was mir blieb, ist die giftige Scham.

 

 




 

 

2007-11-04 Herbsttage

Ja, nun ist er gekommen, der Herbst in mir. Ganz leise und ruhig hat er sich in mein Haus geschlichen. Es hat lange gedauert, bis es bei mir ganz angekommen ist. Mein Blick geht nach Westen.

Die Blätter fallen. Nackt stehe ich da und sehe sie mir, am Boden meines Lebens an. Die letzte Hitze des Sommers ist erlöst. Es darf Winter werden. Besonnenheit hält Einzug. Die Luft wird klarer in meinem Haus.

Jetzt ist die Zeit, für die Knospen des neuen Zyklus. Mit der Herbstruhe kommt auch das Vertrauen und Wissen, um den neuen Zyklus. Es waren derer schon so viele. 

Ich fege das Laub zusammen und es ist mir, als trüge jedes Blatt ein Stück Erinnerung. Nie gekannte Dankbarkeit! Ganz vorsichtig gehe ich mit ihm um. Es bekommt einen guten Platz in meinem Garten.

Ich bin müde und zittrig. Die Arbeit geht nur langsam von der Hand. Der Frühling mit seinen gewaltigen Stürmen und der hitzige Sommer haben viel Kraft gekostet. Besonders diese letzten unglaublich verlangenden, heißen Sommertage.

Mit einem Lächeln fährt der Wind noch einmal in meinen Blätterhaufen, lässt sie tanzen. Alles hat seine Zeit im Zyklus.

Stille!

Ich weiß um die Kraft der Erde, die mich trägt.

Ich weiß um die Kraft des Feuers, das mich wärmt.

Ich weiß um die Kraft des Wassers, das mir Leben schenkt.

Ich weiß um die Kraft der Luft, die beharrlich Veränderung bringt. 

Der Westwind trägt eine frische Prise zu mir herüber. Ein neuer unbekannter Duft. Ich drehe mich um und sehe ihn nun sehr deutlich.
Zu viele Sommer habe ich nicht hingesehen, ihn nicht wahrnehmen wollen. Doch nun ist er fast aufdringlich, unübersehbar, fühlbar. Diesen Herbst will ich ihn gehen.
Es ist kein weiter Weg mehr. Er führt in ein graues, unendlich weit auslaufendes, von Bergen eingeschlossene Tal. Dort liegt er, ganz schwarz, ganz still. Wartet auf mich, will ganz genommen werden.
In vielen Zyklen hat er sich aufgestaut. Zum bersten voll. Der See meiner Trauer!

Alleine will ich, muss ich diesen Weg gehen. Wenn ich nicht komme, wird er mich holen. Die Angst davor, die ich nie fühlen wollte, zwingt mich in die Knie. Panik schnürt mir die Kehle zu.
Der Beginn des Weges, ist direkt hinter meinem Haus. Ich setze mich hin, blicke zum See. Es ist als würde er mich rufen, mich locken. Es ist als hätte dieser ganze Zyklus nur dazu gedient, hier anzukommen. Alles andere versinkt in der Bedeutungslosigkeit. 

Ich sehe mich noch einmal um.
Das Haus und der Garten sind soweit aufgeräumt. Ich kann gehen, wann immer ich will. Noch immer sitze ich, am Scheitelpunkt.
An diesem Punkt fällt Materielles ab, die ganze irdische Last. Der Widerstand, im Kampf ausgedrückt, bricht zusammen. Die Angst an meiner Seite wird mit mir gehen.
Überwältig nehme ich das wahr, Seelenkräfte übernehmen.
Der Wanderer in brauner Kutte und mit Wanderstab sieht mich liebevoll an, so als hätte er schon immer auf mich gewartet.
Noch immer sitze ich und blicke auf den See. Der Weg scheint kürzer zu werden, je mehr ich loslasse, mich darauf einlasse, die Unausweichlichkeit begreife.
In meinen Gedanken bin ich schon am Ufer des Sees und spiele mit meinen Fingern, ganz vorsichtig, im Wasser. 

Es gibt keinen Zweifel mehr.

Ich werde den Weg gehen, diesen Herbst meines Leben.

 

 

 

 

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Euer Wanderer Boneventura ('buona ventura' gutes Geschick) | info(at)faszinationplusliebe.de - Wenn nicht anders angegeben © Ulrich Müller